Deutscher Katholikentag Saarbrücken 24.Mai bis 28.Mai 2006

100 Worte Gerechtigkeit

 

Die Frage nach der Gerechtigkeit in 100 Worten zu beantworten, dazu haben wir jeden und jede eingeladen. Gut zwei Monate nach dem Katholikentag wird dieses Forum geschlossen. Aber natürlich haben Sie auch weiterhin die Gelegenheit, die vielen Beiträge einzusehen.
Was ist Gerechtigkeit? Das ist nicht nur eine Frage, die seit Jahrtausenden die Menschen umtreibt. Schon immer wurde sie insbesondere an die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gerichtet. In der heutigen Zeit beschäftigt sie die Menschen wieder besonders, die verunsichert sind durch die aktuellen Umbrüche in Politik und Gesellschaft und durch die Auswirkungen der Globalisierung in allen Teilen der Welt. Wir wollten von Personen des öffentlichen Lebens und von Ihnen wissen, was Sie ganz persönlich, angesichts der Komplexität unseres heutigen Lebens, unter Gerechtigkeit verstehen. Damit wollten wir eine Diskussion über diesen zentralen Begriff des menschlichen Miteinanders anstoßen.

Die Antworten sind nach einer redaktionellen Durchsicht zusammen mit anderen Antworten auf dieser Internetseite veröffentlicht worden. Dabei unterlagen die Veröffentlichung bestimmten Regeln (z. B. wurden Beiträge, die gegen das deutsche Presserecht verstoßen, indem sie etwa Beleidigungen zum Ausdruck bringen, nicht veröffentlicht).

Grafik: Hundert Worte

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Die hier veröffentlichten Beiträge sind persönliche Meinungsäußerungen des jeweiligen Autors bzw. der jeweiligen Autorin und stimmen nicht in jedem Fall mit der Position der Veranstalter des Katholikentags überein.

> [ Die geltenden Regeln finden Sie hier. ]

100 Worte Gerechtigkeit

Freitag, 7.10.2005


Gerechtigkeit ist kein abstrakter Begriff, sondern verbindet sich für mich mit den konkreten Arbeits- und Lebensverhältnissen in unserer Gesellschaft. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, die zunehmende Armut, die drastischen Ungleichheiten von Einkommen und Vermögen, die Ungleichheit der Lebenschancen und ein Bildungssystem, das Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen oder Migrantenfamilien benachteiligt, machen drastisch den Mangel an Gerechtigkeit in unserem Land deutlich. Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft bedeutet für mich: den Zugang zu Erwerbsarbeit, die dem Einzelnen ein existenzsicherndes Einkommen und ein Leben in Würde sichert; der soziale Schutz vor Krankheit, im Alter und vor Arbeitslosigkeit, demokratische Teilhabe aller in der Arbeits- und Lebenswelt, Bildungschancen für alle. Dafür suchen Gewerkschafter Mitstreiterinnen und Mitstreiter.
 
Michael Sommer, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)

Donnerstag, 6.10.2005


Gerechtigkeit ist nicht Gleichheit im Ergebnis sondern Gleichheit der Chancen. Jeder Mensch muss die gleiche Chance erhalten, selbstbestimmt seine individuellen Fähigkeiten zu entfalten und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Ungleichheiten an sich sind also noch kein Hinweis auf Ungerechtigkeit. Selbstverständlich ist es aber ein Gebot der Gerechtigkeit, dass sich die Gemeinschaft denjenigen solidarisch verpflichtet fühlt, die - aus welchen Gründen auch immer -Schwierigkeiten haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
 
Ludwig Georg Braun, Präsident, Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)

Donnerstag, 6.10.2005


Ein zentraler Satz aus der Bergpredigt hilft mein Verständnis von Gerechtigkeit zu erläutern. Dort sagt Jesus: "Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere dazugegeben".

Jesus weist uns auf unser Leben hier auf der Erde hin. Er ermahnt dazu, Gerechtigkeit nicht zu vernachlässigen. Nach biblischem Verständnis ist Recht, Frieden und Freiheit unverbrüchlich damit verbunden. Und deshalb sind wir als Christinnen und Christen angehalten, auf Gerechtigkeit zu achten und darauf hin zu wirken. Im kleinen wie im großen, im persönlichen wie im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereich.

 
Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland

Donnerstag, 6.10.2005


Gerechtigkeit heißt für mich gleiche Chancen für alle Menschen. Alle müssen die Möglichkeit haben, ihre Lebenschancen zu verwirklichen. Die Gesellschaft ist verpflichtet, gerechte Rahmenbedingungen und Strukturen sowie eine gerechte Verteilung der Ressourcen sicherzustellen. Gerechtigkeit bedeutet auch, dass jeder Mensch nach seinen Möglichkeiten seinen Beitrag für eine gerechte Gesellschaft zu leisten hat. Gerechtigkeit heißt, dass Benachteiligung abgebaut wird und jeder Mensch zur Teilhabe an der Gesellschaft befähigt wird. Die Gerechtigkeit Gottes, die ein Fundament der Caritas ist, bedeutet insbesondere, dass jeder Mensch unabhängig von seinem Können, seinen Kräften und seinem Ansehen von Gott geliebt und angenommen ist.
 
Msgr. Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes (DCV)

Donnerstag, 6.10.2005


Gerechtigkeit und Frieden sind die zentralen Forderungen des Christentums an die Gesellschaft, der Maßstab von Christen an die Politik. Gerechtigkeit heißt: Jedem soll Recht geschehen. Es geht nicht um Gleichmacherei. Aber: Jeder Einzelne hat das Recht aus seinem Leben das zu machen, was in ihm steckt. Es zeichnet eine menschliche Gesellschaft aus, für gerechte Chancen zu sorgen, materielle Ungleichheiten, Ungleichheiten der Bildung und Herkunft auszugleichen. Zugegeben: Gerechtigkeit ist eine Utopie. Deshalb muss sie immer neu errungen werden.
 
Dr. Peter Frey, Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios

Mittwoch, 28.9.2005


Ich glaube nicht mehr an Gerechtigkeit, aber gerade aus diesem Unglauben heraus erscheint es jedesmal wie ein Wunder, wenn Gott die offene Rechnung, die das Leben mit uns hat, ausgleicht und die erlösende Gerechtigkeit wieder herstellt. Bloß, wie soll er das bei Menschen tun, denen das Schicksal die Familie und Hab und Gut genommen hat? Es gibt Dinge im Leben, die sind unersetzlich. Wenn die Gerechtigkeit jedoch wieder hergestellt wird, empfinde ich das deshalb als Gnade Gottes .

 
Désirée Nick, Entertainerin


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