Kleine Katholikentagsgeschichte
"Wer pflanzt, muß lange warten. Ein solcher Tag wie der Katholikentag ist nur der Tag der Aussaat." (Oberbürgermeister Farwick auf dem Katholikentag in Hannover 1924). Den Blick auf mehr als 150 Jahre Deutsche Katholikentage gerichtet, haben wir die Möglichkeit zu sehen, "welche Körner aufgegangen sind".Derer gibt es viele. Die Emanzipation der Katholiken von der Landeshoheit der einzelnen deutschen Staaten im 19. Jahrhundert, der entschlossene Widerstand gegen staatliche Repressionsversuche im Kulturkampf, die Suche nach Wegen zur Lösung der Sozialen Frage oder die Solidarisierung mit den Katholiken in der DDR sind nur einige der Entwicklungen, die von Katholikentagen ausgingen oder von ihnen entschieden befördert wurden. Vor allem aber bewirkten die Katholikentage seit 1848 eine Bündelung der katholischen (Laien-) Kräfte, mit der Folge, daß heute keine andere Ortskirche der Welt über einen ähnlichen Organisationsgrad ihrer Mitglieder verfügt.
Wie alles anfing
Die Geschichte der Katholikentage und nachfolgend die Geschichte des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) begann am 3. Oktober 1848, und zwar fand zu diesem Zeitpunkt die "erste Generalversammlung des katholischen Vereins Deutschlands" statt. Vordringliches Ziel war 1848 die Befreiung aus staatlicher Bevormundung. Denn vor der Märzrevolution von 1848 unterstand die Kirche den jeweiligen Landesfürsten, sie wurde "verwaltet wie Zölle und Steuern" und die Bischöfe durften weder untereinander noch mit Rom direkt verkehren. Kurz, der Staat mischte sich in die Angelegenheiten der Kirche. Die in der Revolution gewonnenen Freiheiten, insbesondere das Koalitions- und Vereinsrecht, schufen die Voraussetzungen zur Gründung von katholischen Vereinen. Laien und Priester nutzten diese Rechte und gründeten die Piusvereine für kirchliche Freiheit, aus deren Zusammenschluss wiederum der "Katholische Verein Deutschlands" entstand. Im Laufe der Zeit erweiterte sich die Themenpalette: Neben die Forderung nach Freiheit der Kirche trat zum Beispiel die Sorge für die Katholiken in der Diaspora, die Fürsorge für Arme und Kranke, der Einsatz für den Erhalt der katholischen Schulen oder für die Verbreitung "guter" Literatur.
Erste große Bewährungsprobe
Die erste große Bewährungsprobe für den Verein und das 1868 erstmals gewählte "geschäftsführende Zentralkomitee" stellte der "Kulturkampf" dar, mit dem vor allem der preußische Staat unter der Führung Bismarcks katholische Geistliche und Laien in immer größere Bedrängnis brachte. So löste sich das Zentralkomitee 1872 selbst auf, um einem drohenden Verbot zu entgehen. Die Generalversammlungen wurden jedoch fortgesetzt und entwickelten sich mehr und mehr zu einem Sammelbecken der deutschen Katholiken, die hier Trost und Halt fanden in ihrem Kampf gegen staatliche Unterdrückung.
Anziehungskraft und Verbot
Nach dem ersten Weltkrieg eröffnete die Weimarer Republik den Katholiken vermehrt Möglichkeiten, Mitverantwortung in Staat und Gesellschaft zu übernehmen. Nicht zuletzt durch die Einführung technischer Kommunikationsmittel wie Mikrophon, Lautsprecher und Radio wurde die Reichweite der Katholikentage beträchtlich erhöht und ihre Besucherzahlen steigerten sich auf mehrere Hunderttausend. Während der nationalsozialistischen Herrschaft waren die Katholikentage verboten, das Zentralkomitee war aus der Öffentlichkeit verbannt, das katholische Vereinswesen wurde zerschlagen.
Neuanfang
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden viele der alten katholischen Verbände neu, für manche neuen Aufgaben wurden neue Strukturen entwickelt. So begannen auch bald Beratungen über neue Pläne für ein Zentralkomitee, das sich im April 1952 mit Zustimmung der Bischöfe konstituieren konnte. Der erste Katholikentag nach dem Krieg fand bereits drei Jahre zuvor in Mainz statt. Das Verhältnis von Kirche und Staat hatte sich gewandelt, die Freiheit der Kirche, Hauptanliegen der Anfangszeit, war erreicht. Doch auch in der Nachkriegszeit blieb das Engagement von Katholiken in Gesellschaft und Politik Hauptthema des ZdK. Gerade auf den Katholikentagen wurden immer wieder bedeutsame Entwicklungen aufgegriffen oder sogar angestoßen. So gingen Anstöße zur deutsch-französischen und deutsch-polnischen Aussöhnung ebenso von ihnen aus wie die Anregung zur Gründung des Hilfswerks "Misereor" und Forderungen wie die zur Arbeitnehmermitbestimmung aus dem Jahr 1949 fanden ihren Niederschlag in der Politik.
> [ Zurück zu Über uns / Katholikentag
]


